Roman Eccher

 


Name:
     Mag. Roman Eccher 

Position: Freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am
               Ludwig Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaft

Email:     roman.eccher@gmail.com

 


 

Mitarbeiter des Österreichischen Staatsarchivs/Archiv der Republik

Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für historische Quellenstudien

 


Projekt: Personenbezogene Forschung in der Praxis

 

Im Rahmen des Forschungspraktikums von Univ.-Prof. Dr. Gerhard BOTZ an der Universität Wien/Institut für Zeitgeschichte wird sich das „Team Eccher“ zunächst grundsätzlich mit den Möglichkeiten biografischer Recherchen beschäftigen und diese erworbenen Kenntnisse in weiterer Folge anhand eines praktischen Beispiels umsetzen.

Fall:
Herr E. wurde Mitte 1940 wegen seiner Beziehung zu einer polnischen Fremdarbeiterin/Zwangsarbeiterin vom Gemeindearzt S. denunziert, von der örtlichen SA kahlgeschoren und unter Mitwirkung der Ortsbevölkerung durch seine Heimatgemeinde getrieben. Um seinen Hals hing ein Schild mit der Aufschrift: „Ich deutsches Schwein ließ mich mit einer Polin ein“. E. kam für drei Monate in Gestapohaft, wurde dann zur Wehrmacht eingezogen und fiel Ende 1941 als zum „Unterführer“ vorgesehener Oberschütze, dessen Führung mit „sehr gut“ beurteilt wurde.

Das Verhältnis der Protagonisten und ihr Schicksal soll beschrieben und durch einen theoretischen Hintergrund untermauert werden. Dies umfasst zum Beispiel den rechtlichen Rahmen und die Frage nach vergleichbaren Fällen.

In einem ersten Schritt werden gemeinsam maßgebliche Institutionen wie das Österreichische Staatsarchiv/Archiv der Republik sowie das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes aufgesucht. Die Teilnehmer/innen werden in die Benützungsbedingungen eingewiesen und die Recherchemöglichkeiten werden erläutert.

Das praktische Forschungsprojekt selbst soll folgende Forderungen erfüllen:

  • Kennen lernen der praktischen Archivarbeit
  • Kennen lernen der verschiedenen Möglichkeiten personenbezogener Forschung und der gesetzlichen Richtlinien wie Datenschutzgesetz und Archivgesetze
  • Klärung der Frage: „Warum wird wer wo aktenkundig?“
  • Erkenntnisgewinn im Hinblick auf die maßgeblichen biografischen Elemente der eingebundenen historischen Personen (Herr E., Gemeindearzt S., polnische Fremdarbeiterin/Zwangsarbeiterin) und darüber hinaus auf Regelhaftigkeiten im Zusammenleben von „Einheimischen“ und Fremdarbeitern/Zwangsarbeitern im Dritten Reich in kleinen, nicht anonymen Gesellschaften
  • Herausarbeiten von Detailaspekten wie z. B. der Frage, wie es möglich war, dass die Gestapohaft eines von der Dorfgemeinschaft Geächteten einer unmittelbar folgenden „Karriere“ bei der Deutschen Wehrmacht nicht hinderlich war?

Im Rahmen des praktischen Forschungsprojekts sollen aber neben der Klärung der o. a. Punkte auch theoretische Vorfragen gestellt und nach Möglichkeit beantwortet sowie administrative Aufgaben/Notwendigkeiten als solche erkannt und einer Bearbeitung zugeführt werden. Es wären dies u. a.:

  • Korrespondenz mit dem Institut für NÖ Landeskunde im Hinblick auf eine mögliche Publikation der Ergebnisse
  • Antrag an den zuständigen Richter des Landesgerichts für Strafsachen Wien mit der Bitte um Akteneinsicht in die für den Fall relevanten Volksgerichtsakten
  • Kontaktaufnahme mit Institutionen wie der zentralen österreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz, der Wehrmachtsauskunftstelle Berlin, der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse sowie dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sollen nach Maßgabe vorhandener Mittel und Möglichkeiten einem breiten Kreis von Interessierten zugänglich gemacht werden.